Bernhard Schnur und Band LEEDS Album Release Konzert

Do, 16. Apr 2026

20:00 Uhr

@Deck

Bernhard Schnur - Gesang, Gitarre
Oliver Stotz - Gitarre, Keyboard
Romeo Bissuti - Bass
Martin Pfeiffer - Schlagzeug Il Classico

Vieles spricht dafür, dass „Leeds“, die fünfte vollamtliche Soloplatte von Bernhard Schnur, eine Bekenntnis-Platte ist. Ein Bekenntnis zur britischen Pop-Tradition (der Name), ein Bekenntnis zur Glückssuche an Orten, die keine Grandezza versprühen, dafür aber die Fantasie anregen (der Name), ein Bekenntnis zur Unschuld und zur Wirkungsmacht grosser Melodien (die Musik). Und dann auch ein Bekenntnis zur rettenden Kraft der Melancholie (alles zusammen).
Fangen wir vorne an: „Visit Leeds“, das Quasi-Titelstück, macht schnell klar, worum es geht.
Die Gesangsmelodie wird mit einer Selbstverständlichkeit in die Akkorde gestellt, die der Schnur-Musik neue Dimensionen eröffnet. Sie lässt Platz für die Sounds, für die Verzierungen und thront zugleich felsenfest da. Das alles wirkt ähnlich unaufgeregt wie Tom Petty in seinen besten Momenten. Im Refrain und in der Coda freilich explodiert alles, Schicht um Schicht stapeln sich die Harmoniegesänge, und man zweifelt keine Sekunde daran, sofort, bevor das grosse Schiff anlegt und alles den Bach runtergeht, nach Leeds zu müssen.
Die neu gewonnene Selbstsicherheit im Gesang und in der Setzung des Gesangs ist das herausragende Merkmal von „Leeds“. Sie kommt immer und immer wieder, im beatlesk-balladesken „Sleeping Woman“, im fast schon abgründigen Blues von „Blue Sun“, in der ins Endlose strebenden Schlussnummer „Il mondo è un disco“. Man könnte sagen: Schnur hat die Waage zwei Stufen weg vom Aus-der-Reihe-Tanzen, zwei Stufen hin zur Zeitlosigkeit gestellt. Das funktioniert vorzüglich. Weil die Melodien das ganz locker tragen und die Instrumentierung, vor allem die Orgeln und Analog-Synthesizer, für Kraft und Reichhaltigkeit sorgt.
Man freut sich natürlich auch über die etwas abseitigeren Stücke auf „Leeds“, über die psychedelische Polka „Male Means Loud“ etwa oder die überraschende Funk-Miniatur „Statue of Liberty“. Doch am Ende der zehn Lieder, wenn im Outro der ratternde Snare- und Synthie-Zug zurück Richtung Leeds fährt, denkt man vor allem: Diese Platte hat die Anmutung eines Klassikers. Hier hat sich einer lange von der blauen Sonne bescheinen lassen, hat sich gesammelt und in Geduld geübt. Und dann ist er zur Tat geschritten und hat seine Wehmut und sein Aufbegehren zu Pop gemacht.